Aussehen und Sprache:
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Beschäftigt man sich eingehend mit der Geschichte und dem Leben in der Bajuwarenzeit, so stellt sich früher oder später die Frage nach dem äußeren Erscheinungsbild und der Sprache der Bajuwaren, wie dieser Gästebucheintrag veranschaulicht:
Ähnlich
wie bei der Rekonstruktion von Ausrüstungsgegenständen liefern die
Reihengräberfelder eine Reihe von Indizien, die zur Beantwortung
der Fragen führen. Zuerst aber ein kleiner Überblick, der die
Komplexität der Fragestellung näherbringen soll.
Das Aussehen einer Population wird durch die Genetik ihrer Mitglieder bestimmt. So vermischten sich innerhalb von mehreren Jahrhunderten ab 200 n.Chr. verschiedenste germanische und nichtgermanische Stammessplitter, die in dem Gebiet lebten, das nachher den Bajuwaren zugeordnet wurde, nämlich vom Lech bis nach Tirol.
Ab
390 wandern verstärkt Gruppen von Elbgermanen ein, die aus Böhmen
stammen (Baiowari - Leute aus Böhmen) und laut dem momentanen Stand
der Wissenschaft den Bajuwaren ihren Namen
gaben.
Der
typische Bajuware: Die
Schädel der bajuwarischen Männern waren den der provintialrömischen
Epoche ähnlich, verfügten aber über robustere, höhere, wuchtigere
Gesichter und einem höheren, gewölbterem Schädeldach, was dem westeuropäisch-mitteldeutschem
Typus entspricht. Bei
den Frauen stellt sich die Sache grundlegend anders dar. Im Gegensatz
zu den Männern, bei denen das Erscheinungsbild recht einheitlich
ist, sind die Skelette der Frauen erheblichen individuellen Unterschieden
unterworfen. Es lassen sich kaum untereinander gemeinsame Merkmale
beobachten, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass viele Frauen
weiterhin aus
anderen Stammes- bzw. Kulturbereichen eingeheiratet wurden. So entsprechen viele
der untersuchten Skelette der bajuwarischen Frauen eher einem westlichen,
fränkisch oder alamannischem Typ, der dem frühen elbgermanischem
Schädeltypus nicht unähnlich ist Schwieriger
und spekulativer wird die Bestimmung des Aussehens, wenn es um Merkmale
geht, die sich aufgrund der Verwesung nicht erhalten haben, nämlich
der Haar- und Augenfarbe. | |||
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Tabelle: messbare / spekulative Ergebnisse |
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Merkmale des 6. Jahrhunderts |
männlich |
weiblich |
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Typus |
westeuropäisch, mitteldeutsch |
westeuropäisch bis elbgermanisch |
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Schädelformen |
einheitlicher, robust, eher wuchtig |
stark unterschiedlich, westlicher |
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Körpergröße |
173,5cm |
163,5cm |
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Augenfarbe (spekulativ) |
blau, grün, grau, braun |
blau, grün, grau, braun |
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Haarfarbe (spekulativ) |
blond, rot, braun |
blond, rot, braun |
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mittlere Lebenserwartung |
ca. 33 - 35 Jahre |
ca. 29 Jahre (Gefahr,Kindsbett) |
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Krankeiten und Verletzungen:
Untersuchungen
der Zähne von den in Reihengräberfeldern bestatteten Individuen
der Merowingerzeit legen dar, dass im bajuwarischen Stammesgebiet
die Anzahl der von Karies befallenen Gebisse bei durchschnittlich
30-40% liegt, was verglichen mit heutzutage sehr wenig ist. (ca 99% kariöse Gebisse)
Es ist ein gewisser Unterschied zwischen den verschiedenen
Gräberfeldern zu verzeichnen. So ist in manchen alamannischen
Nekropolen der Karies-Befall fast doppelt so hoch wie bei den Bajuwaren,
was wahrscheinlich an einer kohlenhydrat-reicheren Ernährung gelegen
hat. |