Kleidung der Bajuwaren in der Merowingerzeit:

Leider gibt es keine vollständigen Kleidungsfunde, jedoch haben sich in korrodierten Metallgegenständen immer wieder Stoffreste erhalten. So können zumindest verschiedene Stoff- und Webarten belegt werden.

Leinen und Wolle waren üblich, Seide und Baumwolle (erster Fund um 500 in Grab 974 in Lauchheim) wurden importiert und waren dementsprechend teuer und selten, ebenso nachgewiesen sind Gewebe aus Nessel oder Hanf (Hanfleintuch im Grab der fränkischen Königin Arnegunde zwischen 565 und 570). Bei den Webarten dominiert die Leinwandbindung, aber es gab auch eine Reihe von Varianten der Köperbindung, u. A. Gleichgrat-, Fischgrat-, Spitzgrat-, Spitzkaro-, Diamant-, Kreuz-, Rippen- und Rosettenköper. Verziert wurde die Kleidung durch Stoffapplikationen, Stickereien und Borten (diese konnten auch mit Goldfäden gewebt werden).

Anhand der Lage von Metallfunden, wie Fibeln oder Gewandnadeln, und aus späteren Aufzeichnungen oder Abbildungen (z.B. die Silberschale von Isola Rizza um 600) wurden von Wissenschaftlern Gewandschnitte entwickeln, an die wir versuchen, uns zu halten.

Schon damals war es möglich leuchtende und dauerhafte Farben zu erzeugen. Dazu musste der Stoff (oder die pure Wolle) zunächst gebeizt werden, um später die Farbe besser aufnehmen zu können und damit die Farbe später licht- und reibeecht wird und durch Wasser nicht mehr ausgewaschen werden kann. Dies erfolgte z.B. mit Alaun oder Weinstein. Anschließend konnte der Stoff gefärbt werden. Farbergebnisse und Intensität der damaligen Färbevorgänge kann man u. A. in der Rubrik Handarbeit betrachten.

 

Hier nun einige Beispiele für die Männertracht um 600

links: - Tunika aus gelber Wolle mit roten, bestickten Applikationen
        - grüne Wollhose
        - rote Stulpen aus Wolle, umwickelt mit einem           brettchengewebten Band
        - schwerer Wintermantel aus grauem Loden
        - wendegenähte Stiefel aus Ziegenleder
        - roter Ledergürtel (Details siehe "Schmuck")
        - außerdem: Schild, Lederhelm, Feldflasche, Spatha

rechts:  - Rote mit Krapp gefärbte Tunika mit bestickten, grünen               Applikationen            
            - Feste Hose aus Hirschleder  
            - graue Stulpen aus Wolle, verziert mit rotem Rand
            - wendegenähte Lederschuhe
            - Kappe aus brauner Wolle in Fischgrat-webung
            - brauner Ledergürtel mit Sachs
            - außerdem: Spatha, Wurfspeer

 

 

Bilder und Artikel von Indy's Tunika nach der Platte von Isola Rizza gibt es hier (sehr empfehlenswert).

Beispiele zur Frauentracht:

           links:  - Untertunika aus Leinen mit besticktem Besatz
                    - Offene Übertunika aus violetter Wolle, verziert mit                        Ärmelstickereien
                    - Wadelstrümpfe (Wolle mit Krapp gefärbt)
                    - Brettchengewebte Borte aus Leinen als Gürtel
                    - Bügelfibeln aus Bronze
                    - Scheibenfibeln aus Bronze mit Almandineinlagen
                    - Perlenkette aus bunten Glasperlen
                    - Amulettgehänge aus Bergkristall mit Silberblechen
                    - wendegenähte Schuhe
                    - Kopftuch aus grüner Seide, Ohrringe aus Bronze

 rechts:  - Untertunika aus Leinen
             - Offene Übertunika blauer Wolle
             - rotes Umhängetuch (mit Krapp gefärbt)
             - Wadelstrümpfe
             - Gürtel mit beinerner Schnalle und beinernen Beschlägen              - Bügelfibeln,  S-Fibel und Scheibenfibel
             - Perlenkette
             - Messer, Tasche
             - Amulettgehänge mit durchbrochener Zierscheibe
             - Wendegenähte Schuhe
             - Kopftuch aus weißem Leinen

 

Weiteres zur Tracht:

 

  Verschiedene pflanzengefärbte Wollstoffe und Garne. Natürliche Färbemittel erzeugen sehr kräftige und bunte Farbtöne.Die Gewebe auf dem Bild sind unter anderem mit Krapp rot, Goldrute grün und mit Zwiebelschalen gelb gefärbt. Desweiteren können durch Doppelfärbungen eine Vielzahl an Nuancen erreicht werden. Zum Beispiel violett durch zweifaches Färben mit Krapp und Indigo, oder rostrot durch Walnuss und Krapp.

 

Detailansicht einer Wadenbindenganitur (nach einem Fund aus Westheim).


Bei der Rekonstruktion von Wadenbinden gibt es wiederum verschiedene Varianten. Das längs des Beines verlaufende Band kann ebenso an der Seite getragen werden (wie auf dem unteren Bild) , wie auch an der Vorderseite des Unterschenkels (wie auf dem linken Bild). Mit den Wadenbinden werden eine Art "Socken" am Bein befestigt. Auch für die Rekonstruktion der Socken gibt es viele Spielarten. Die können einfache Stoffschläuche sein (wie auf dem linken Bild), gewickelte Stofflappen (wie auf dem unteren Bild)oder auch Stoffschläuche, die unten noch einen Fußteil , den heutigen Kniestrümpfen ähnlich, angesetzt haben.

Eine genaue Ansicht der Metallbestandteile der Wadenbinden kann unter "Schmuck" gefunden werden.

Dank Reste eines mit Goldfaden versehenen Bandes gibt es auch Nachweise für eine kreuzartige Verschnürung (nach einem Fund aus Greding).

 

Ein Beispiel für einen prunkvollen Gürtel mit bronzeverzinnten Beschlägen, einer nierenförmigen Tasche und der zum Leibgurt gehörenden Saxscheidenaufhängung. Der rot gefärbte Ledergürtel wurde mit Stickereien verziert. Außerdem abgebildet ist der typische merowingerzeitliche Tascheninhalt, bestehend aus Messer, Pinzette, Nagelschneider, Feuerstein mit Schlageisen und dem dazugehörigem Zunderbeutel, sowie weitere persönliche Gegenstände wie Amulette etc.

Quellen:
Die Franken - Wegbereiter Europas; Alfred Wieczorek, Patrick Perin (Hrsg); 1996; Verlag Philipp von Zabern
Die Bajuwaren - Von Severin bis Tassilo; Hermann Dannheimer, Heinz Dopsch (Hrsg.); 1988
Die Alamannen; Archäologisches Landesmuseum BaWü; 2001; Theiss-Verlag