Die Herstellung einer Feldflasche aus Leder:

 

Wie in der Rubrik "Gebrauchsgegenstände" bereits beschrieben, gehörten Flaschen und Gefäße verschiedenster Bauarten und Materialien zur Grundausstattung der frühmittelalterlichen Bevölkerung. Um ein beliebiges Gefäß heute rekonstruieren zu können, gibt es wahrscheinlich sehr viele Methoden und Ideen der Umsetzung. Folgend bescheibe ich meinen gelungenen Versuch, eine Feldflasche aus Leder anzufertigen:
 Als Grundmaterial verwendete ich ein ca 2mm dickes, dunkelbraunes Leder. Zur Gerbeart und Färbung kann ich keine Angaben machen, da ich das Leder als Rest von einem Schuster bekommen habe. Zuerst zeichnete ich die Außenkontur auf ein Blatt Papier, das später ausgeschnitten und als Schablone verwendet wurde. Beim Aufzeichnen der Form sollte man die seitlichen Trageösen gleich mit berücksichtigen. Bei der Formgebung der Kontur orientierte ich mich an den durchaus vergleichbaren Funden aus Oberflacht, bei denen es sich um Feldflaschen aus Holz handelt. Nach dem Ausschneiden der Schablone wurde diese auf das Leder gelegt und in zweifacher Ausführung nachgezeichnet. Anschließend schnitt ich beide Lederhälften aus und legte sie mit der rauhen Seite aufeinander. Zum Fixieren der späteren Nähte am äußeren Rand könnte man die Lederteile mit einem Leim aneinanderkleben. Danach habe ich  mit einer Ahle, am Besten einer Schwertahle mit rhombischen Querschnitt, die Nahtlöcher in gleichmäßigem Abstand einmal der Außenkontur folgend, sowie im Bereich des Flaschenhalses vorgestochen. Zum Nähen verwendete ich ein gewachstes Leinengarn mit 1 mm Durchmesser. Genäht wurde mit zwei Nadeln, die abwechselnd durch das gleiche Loch gestochen wurden, was man als "Sattlerstich" bezeichnet.

 

Nachdem der Nähvorgang beendet war, wurde die Flasche in ca 70°C heißem Wasser 5 Minuten genässt und anschließend mit feinem Sand gestopf, wobei ein Trichter und ein Stück Holz zum Stopfen von Vorteil war. Nun war die Flasche richtig prall und hart und sah zum ersten mal einer Flasche ähnlicher als einer Flunder. Das anschließende Trocknen dauerte im Ofen bestimmt zwei bis drei Stunden. Die Flasche war danach noch immer zu feucht, sodass sie einen Tag über der Heizung verbringen musste. Nun konnte ich den Sand entfernen, wobei die kugelige Form der Lederflasche erhalten blieb. Zwischenzeitlich hatte ich bei einem Imker einen 500-Gramm-Riegel reines Bienenwachs besorgt, das ich in einem Wasserbad zum Schmelzen brachte. Die Flasche widerum erhitzte ich im Ofen wieder auf  ca 50-70°C, damit beim Ausgießen der Innenseite das heiße Wachs nicht zu schnell an der kühlen Wandung der Flasche erstarren konnte. Das Ausgießen musste ich 3 - 4 mal wiederholen um die Flasche einwandfrei dicht zu bekommen. Anschließend wurden die Trageösen mit Messer und Locheisen ausgestochen. und ein Trageriemen angebracht. Der Stopfen besteht aus Eschenholz und hat die Form eines abgestuften Zylinders, was den Vorteil bietet, dass der Stopfen nicht durch den Flaschenhals in die Flasche geschoben werden kann, weil die größere Seite als Anschlag dient. Um den Verschluss nicht zu verlieren, habe ich ein ledernes Halteband angebracht. Der Stopfen wurde 90° von oben und rechtwinklig dazu von der Seite her angebohrt, dass sich die Bohrungen in der Mitte trafen. Das Lederband wurde; mit einem Knoten versehen; seitlich in die Bohrung eingeführt und auf der Oberseite wieder herausgezogen. Anschließend fertigte ich einen kleinen Holz-Dübel an, der das seitliche Loch wieder verschloss. Dadurch ist das Lederband fest mit dem Stopfen verbunden.
Die Flasche ist robust, praktisch, wiegt in leerem Zustand 300 Gramm und fasst 1,25 Liter. Ideal für den Einsatz unter Feldbedingungen oder bei der Arbeit auf dem Feld oder im Wald.

 

 

                     

(geschrieben von Kalyar)