Das Ringknaufschwert von Kösching:

 

Das Köschinger Ringknaufschwert in seiner Vitrine. Gefunden wurde es in Grab 2c im Kösching. Dieses Grab war leider nicht vollständig erhalten, da es sich um einen "Baustellenfund" handelt. Das Schwert ist auf das späte 6te Jahrhundert datiert. Ringknaufschwerter wurden im gesamten Europa zwar nur sehr selten aber regelmäßig gefunden. Ihre genaue Bedeutung ist nicht geklärt, man geht aber davon aus, das die Ringe eine Gefolgschaft oder einen Pakt symbolisieren.

 

Kaylar berichtet:
Im Laufe meiner Bajuwarendarstellung wurde mir klar, dass ich früher oder später einfach eine Spatha brauchte!

Als ich einen Standard erreichte in dem es nichts wichtigeres mehr zu planen gab, machte ich mich intensiv auf die Suche. Ich durchkämmte Bücher und Museen. Eine geeignete Spatha zu finden, war gar nicht so einfach. Sie sollte aus der Region sein, aus dem späten 6ten Jhd und mit meinen Mitteln nachzubauen sein. Außerdem wollte ich unbedingt eine Rekonstruktion herstellen. Eines Tages sah ich im Köschinger Heimatmuseum das Köschinger Ringknaufschwert. Nach wenigen Minuten beschloss ich ES zu wagen. Ich nahm Kontakt mit Herrn Frühmorgen, dem Vorstand des Geschichtsvereins in Kösching, auf und erläuterte ihm mein Anliegen. Nachdem ich mich nicht traute das Schwert mit nach Hause zu nehmen, wie es mir angeboten wurde, vereinbarte ich einen Vermessungstermin.

An diesem Tag entnahmen wir das Schwert aus der Vitrine und der Halterung. Dann lag dieses wunderschöne Schwert also vor mir auf dem Parkett. Mit Messschieber und Maßband bewaffnet machte ich mich an die Vermessungsarbeit und fertigte einen detaillierten Plan des Griffs und der Klinge an.

Da mir der Griff auch im Original mir recht kurz erschien, wollte ich VORSICHTIG meine Hand um die Angel schließen ob der Griff auch groß genug war. Mit einem trockenen Knacken brach der Griff in der Mitte der Angel in zwei Teile. Schockiert und mit zittrigen Händen fügte ich das Schwert wieder mittels Epoxydharz zusammen. Wie ich zum Glück erfuhr, war der Griff an dieser Stelle schon antik gebrochen.

 

Zuhause angelangt fertigte ich Papierschablonen an und fing an, mir genau zu überlegen, welches Holz ich für den Griff und die Zwischenstücke verwenden wollte. Für die Handhabe wählte ich Kirschbaumholz wegen den guten Eigenschaften der Optik und der Verarbeitbarkeit. Bei den Zwischenstücken entschied ich mich wegen der Härte und Belastbarkeit für Eichenholz.

Weil ich keine Möglichkeiten und Erfahrung im Bronzeguss hatte, organisierte ich mir Klötze und Blech in einigermaßen passender Größe, um alle Bronzeteile mittels spanabhebender Methoden anzufertigen.

Die Klinge besorgte ich mir bei einem Bekannten, der sie mir recht billig verkaufte. Diese musste, weil sie zu lang und breit war, von mir in mühsamer Handarbeit verschmälert, gekürzt und neu geschärft werden.

Zu allererst fertigte ich die beiden schiffförmigen Bronzeplatten an, die anschließend die hölzernen Zwischenstücke abdeckten. Ich zeichnete die Form aufs Blech und sägte sie aus. Durch Treibhämmern brachte ich das Material auf die richtige Dichte und verhärtete es zusätzlich. Dann schliff ich die Platten in Form, faste die Kanten an und polierte sie. Bei der größeren Platte, die später den griff von der Klinge trennt, arbeitete ich gleich den passenden Durchbruch heraus.

Nun fertigte ich anhand der Bronzeplatten die Holzplatten an, indem ich das Holz schliff und immer wieder verglich. Dann durchbohrte ich jeweils die passenden Stücke zusammen an den Stellen, wo später die Nietschäfte durchlaufen sollten. So konnte ich die Platten dann aufeinander fixieren und den Durchbruch für die Angel am Holzstück anfertigen.

Jetzt konnte ich den Griff grob aus dem Kirschholzblock sägen und im Anschluss gleich auf die korrekte Länge schleifen. Danach musste ich den Durchbruch für die Angel auch aus dem Griffholz herausarbeiten, was eine langwierige und nervenaufreibende Arbeit war, weil alles sehr exakt gemacht sein musste, damit der Griff später auch sicher nicht wackelt. Jetzt war es an der Zeit, dem Griff die Außenform zu geben. Ich entschied mich für die klassische Viereteilung, wie sie öfter an frühmittelalterlichen Schwertfunden zu sehen ist. Nach langer Feil- und Schleif- und Polierarbeit war ich auch damit fertig. Anschließend konnte ich damit beginnen, den Durchbruch im hinteren Zwischenstück auszufeilen, wobei ich Bronze- und Holzplatte wieder aneinander heftete. Nun konnte ich also schon beide Zwischenstücke und das Griffholz auf das Griffteil der Klinge schieben.

Als nächstes nahm ich mir ein passendes Stück Bronze zur Hand, das einmal der Ring meiner Spatha wird. Ich sägte grob die Form heraus, bohrte in der Mitte das passende Loch und schliff mittels Bandschleifer, Feile und Schmiergelleinen einen exakten Ring nach Maß heraus.

Inzwischen gab ich bei einem Dreher die Niete in Auftrag, die später Bronze und Holz der Zwischenstücke zusammenhalten sollten. Leider waren die Köpfe etwas zu groß, so dass auch diese nachgearbeitet werden mussten. Als ich die Niete hatte, konnte ich die Kerbrandscheiben für die Niete anfertigen. Erst stanzte ich die Scheiben aus Messingblech aus und durchbohrte diese. Nachdem ich die Ränder mit der Feile bearbeitet hatte, schlug ich die kleinen Kerben mit einem Meißel ein. Aus restlichen Nieten fertigte ich die durchbohrten Schließköpfe an, die dann vor dem Nietvorgang auf die Schäfte gesteckt werden, um wie im Original ein symmetrisches Bild zu erzielen.

 

Als nächstes war der Knauf selbst, das komplizierteste Stück des Schwertes, an der Reihe. Zuerst sägte ich mir einen Bronzeklotz grob in Form, dann wählte ich mir als Bezugsfläche die untere Seite des Knaufs aus. Von dieser Fläche ausgehend fertigte ich alle anderen Flächen an. Die sehr langwierige Feil- und Schleifarbeit begann ich mit der Ausformung der Silhouette des Knaufs. Danach brachte ich all die Kerben und Nuten ein, die dem Knauf zu seinem charakteristischen Aussehen verhelfen. Daraufhin arbeitete ich den Durchbruch für die Angel mit Bohrer und Schlüsselfeielen aus. Als dies erledigt war, fertigte ich aus alten Bohrerschäften meine Punzstempel an. Anschließend spannte ich den Knauf mit Hilfe einer selbst gebastelten Hilfsvorrichtung im Schraubstock ein, und die schlug die Halbkreise und Riffel in den Bronzeknauf ein.

Das nächste Einzelteil war der Ringniet. Dies einer der Niete, die die Zwischenstücke zusammenhalten. Er endet in einem Bogen, der durch den aufgelegten Ring zum Knauf hin verläuft. Ich sägte mir aus einem dicken Blech grob die Form auf Maß. Dann feilte ich den Nietschaft zurecht. Der Rest war - wie soll's auch anders sein - lange Schleif- und Anpassungsarbeit. Auch der Ringniet und der aufgelegte Ring sind durch Punzierungen verziert. Es handelt sich um Y-förmige Eindrücke, die jeweils aus fünf Kreispunzen bestehen. Das ist auch der Grund, warum Menghin und Dannheimer zu der Überzeugung kamen, dass dieses Schwert nordischen Ursprungs ist. Denn diese Verzierungsweisen treten nur auf Gegenständen aus Gotland und Schweden auf. Auch diese Punze fertigte ich aus einem alten Bohrer und schlug sie ein.

Somit waren alle Bronzeteile fertig. Sie wurden noch ordentlich poliert und dann schickte ich sie nach Lenggries zu Herrn Eiblmeier, der sich als Restaurator vorzüglich auf Feuervergoldungen versteht. Wie beim Original wurden alle Bronzeteile auf der kompletten Oberfläche vergoldet, was mich 340 Euro kostete. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Während meine Bronzeteile beim Vergolden waren, widmete ich mich der Holzscheide. An den Scheidenholzresten des Originals befinden sich keinerlei funktionelle oder verzierende Beschläge. Also musste ich eine Scheide bauen, die nur aus Holz besteht und keine Hilfsmittel für die Aufhängung hat. Zuerst besorgte ich zwei Bretter, auf die ich die Klinge legte und anzeichnete. Nun begann und Hohleisen und Schleifpapier die Bretter auszuarbeiten. Dazu musste die Klinge immer wieder aufgelegt und verglichen werden. Als dies erledigt war machte ich mir Gedanken über die Aufhängung. Ich entschied mich für einen erhabenen Holzsteg im oberen Scheidenbereich, durch dessen Schlitzförmigen Durchbruch später der Waffengurt gezogen wird. Ich zeichnete den Steg auf die Vorderseite des Brettes und entfernte außen herum das überschüssige Holz mit Säge, Schleifern und Schmiergelleinen. So zum Schluss nur der Holzsteg stehen, den ich seitlich durchbohrte und einen Schlitz ausfeilte. Danach leimte ich die Bretter zusammen, überschleifte die Kanten und brachte die Scheide angemessen in Form. Weil mir die Schiede recht fad erschien schnitze ich als Zierde Swastikaornamente und geometrische Figuren ein. Ähnliche Schnitzereien sind auf den Betten von Oberflacht zu finden. Diese färbte ich mit einer Farbe ein, die ich aus Kohlestaub und Eiweiß anrührte. Dann wachste ich die Scheide. Ich benutze Rotbuchenholz, weil es oft als Scheidenholz vorkam. Leider stellte sich im Nachhinein heraus, dass die Scheide des Originals aus Ahorn war. Also bin ich gerade dabei eine neue Scheide zu bauen, diesmal aus Ahornholz.

Der Schwertgurt war relativ einfach herzustellen. Ich besorgte mir Leder und prägte es recht simpel. Der Gurt weist im Original nur eine eiserne Schnalle auf, die ca. 30 cm unter dem Schwertgriff auf der Klinge gefunden wurde. Auch diese Schnalle baute ich maßhaltig nach und versah den Bügel mit Strichtauschierungen in Silber und Messing. Für die Tauschierung gibt es jedoch keine Anhaltspunkte.

 

Inzwischen waren die vergoldeten Bronzeteile bei mir angelangt. Nun musste ich die spannendste Arbeit angehen - die Montage. Die Zwischenstücke konnte ich jeweils einzeln vernieten, indem ich die Niete samt Kerbrandscheiben durch die Holz- und Bronzeplatten steckte, die Kappen aufsteckte und vorsichtige Hammerschläge ausführte. Kniffliger wurde es schon beim Ringniet, den ich zum vernieten im Schraubstock festklemmen musste. Dann war es Zeit den letzten Arbeitsschritt einzuleiten. Ich erhitzte die Angel mit dem Bunsenbrenner bis diese hellrot glühte. Nach kurzem Abkühlen konnte ich alle Komponenten auf die Angel stecken und sie vorsichtig vernieten, was sehr aufregend war.

Mit Hilfe von Herrn Rieder vom Landesamt für Denkmalpflege gelang es mir an eine langersehnte Röntgenaufnahme der Köschinger Spatha zu gelangen. Zwei Dinge fielen mir dabei auf. Erstens war es, soweit ich es erkennen konnte, der Damastwechsel im unteren Bereich der Klinge. Zweitens aber, was viel aufregender ist, entdeckten wir ca. fünf cm unter dem Griff, einen exakten, schrägen BRUCH der die Klinge in zwei Hälften teilt. Da der Bruch nicht modern ist, und nur auf dem Röntgenbild zu erkennen ist, bleibt es Interpretationssache was es damit auf sich hat.

Ich hoffe mein Bericht war nicht zu trocken und langweilig. Es war mir wichtig meine Erlebnisse zu schildern und Probleme aufzuzeigen, die mit einem zentel-milimeter genauen Spathabau verbunden sind!