Der Schmucks der Bajuwaren:
Der Schmuck war in der Merowingerzeit, ähnlich
wie in anderen Epochen ein äußerst wichtiger Bestandteil der Tracht und somit
des Erscheinungsbildes des Einzelnen. Es gibt sehr unterschiedliche Ausführungen
des Schmuckes, was Qualität und Verarbeitung betrifft. In Baiern wurden genauso
Schmuckstücke gefunden, die ausgesprochen hochwertig, aus feinstem
Silber gearbeitet waren, wie solche von minderer Qualität und unedlerem
Material. Da der Schmuck auch immer ein Ausdruck des individuellen Reichtums
war, trug man die Stücke sichtbar. Dabei galt wohl oftmals die Regel:
"Je mehr, desto besser". Auffällig soll er sein. Neben der
Zurschaustellung und reinen Zierde erfüllte Schmuck noch eine Vielzahl an
anderen Aufgaben. So waren viele Objekte durchaus sinnvoll als Gewandschließen
oder als unheilabwehrende, fruchtbarkeits-spendende Amulette in Gebrauch. Nach
dieser kurzen, allgemeinen Zusammenfassung soll es nun konkreter
werden.
Frauenschmuck:

Die bajuwarischen Frauen
verfügten, wenn finanziell möglich, über eine Vielzahl von Schmuckstücken, die
sie offen zur Schau trugen. Manche Objekte, wie z.B. die Fibeln oder der Gürtel
waren funktionell und erfüllten eine bestimmte Aufgabe in Bezug auf die Tracht,
zum Beispiel das Verschließen des Gewandes. Andere widerum, wie z.B.
Amulettgehänge, Glücksbringer oder Perlenketten hatten keine direkt praktische
Funktion, waren aber ebenfalls sehr wichtig für ihre Trägerinnen. Folgend sollen
nun einige Schmuckstücke der Frauen aufgeführt werden:
Die Perlenkette:
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Schon im Kindesalter verfügte annähernd jede
Frau über eine, manchmal sogar mehrere, Perlenketten. Solche Perlenketten waren
in ihrer bunten Pracht sehr dekorativ und hatten die Aufgabe, die Schönheit
ihrer Trägerin zu unterstreichen Die abgebildete Glasperlenkette besteht aus
Glas-, Ton- und Knochenperlen. Die Zusammenstellung der Kette erfolgte nach
Vorlage eines Fundes in Straubing. Die Perlen sind Rot, weiß und gelb und
teilweise mit Fadenauflage verziert. Die große Perle im Vordergrund ist eine
Mille-Fiori Perle, bei der durchgängig mehrere Farben eineinander übergehn.
Viele bajuwarische Perlenketten waren diesem Stück
ähnlich.
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Die Kleinfibeln:
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Wie unter der Rubrik "Kleidung" bereits
beschrieben, dienten die oftmals paarig getragenen Kleinfibeln zum Verschließen
des Halsausschnitts beim Unterkleid. Die Kleinfibeln waren meist aus Silber
gegossen und in ihrer Form s-, fisch-, vogel-, zikaden- oder scheibenförmig.
Manche der Fibeln sind mit Glasfluss- oder Granateinlagen verziert. Hier zu
sehen sind silberne S-Fibeln mit Einlagen aus Glasfluss vom Typ Kehlheim. Da
an den Kleinfibeln bisher nur feines Gewebe (meist Leinen) gefunden wurde, gehen
wir davon aus, dass sie zum Schließen eines Unterkleides, Schleiers oder feinen
Umhanges verwendet wurden. Zunächst wurden sie paarig getragen. Gegen Ende des
6ten Jahrhunderts wurden dann oft zwei verschiedene Kleinfibeln gefunden, bis
zum Anfang des 7ten Jahrhunderts. Ab dann wurde zumeist nur eine einzige
Kleinfibel getragen.
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Bei dieser silbervergoldeten S-Fibel handelt
es sich um die Replik eines Originalfundstücks aus dem Gräberfeld
Straubing-Bajuwarenstraße Grab 786. Wie beim Original sind die Augen der
Vogelköpfe aus Granat. Da die Fibel einzeln gefunden wurde kann man davon
ausgehen, dass sie in Kombination mit einem anderen Stück oder schon im Übergang
zum 7.Jahrhundert einzeln am Kleidkragen getragen
wurde. |
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Die Scheibenfibeln auf dem Bild sind aus
Bronze gefertigt und tragen über einer Unterlage aus gewaffeltem Blech Einlagen
aus Almandin. Die vordere Fibel ist im Randbereich und auf dem erhabenen Teil
in der Mitte zusätzlich mit Perldraht verziert. Solche Scheibenfibeln wurden in
dieser Kombination als Kleinfibelpaar oft getragen. Gerade gegen Ende des
sechsten Jahrhunderts werden Fibelpaare miteinander kombiniert, die nicht genau
baugleich sind. Das Ende dieser Entwicklung stellen recht große, aufwendig
verzierte Scheibenfibeln dar, die dann bereits im siebten Jahrhundert einzeln
getragen wurden und, wie auf dem Stuttgarter Psalter zu sehen, einen
schleierartigen Mantel verschlossen.
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Der
Gürtel:
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Die Gürtel der Frauen waren aus Eisen oder
Bronze gefertigt und bestehen oftmals nur aus einem schlichten Bügel mit
Dorn. Beschläge mit angesetztem Bügel, wie auf dem Bild, kommen etwas seltener
vor. Die Frau trug am Gürtel unterschiedliche Gegenstände des täglichen
Gebrauchs, wie Messer, Scheren und Kämme, aber auch Amulettgehänge und
unheilabwehrende Gegenstände. Der abgebildete Gürtel besteht aus Bronze und ist
mit einer einfachen Punzierung aus umlaufenden Kreisen auf der Beschlägplatte
verziert.
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Amulettgehänge und Glücksbringer:
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Um sich vor Einflüssen jeglicher Art zu
schützen, trugen die bajuwarischen Frauen eine Vielzahl von glücksbringenden
Anhängern und Amuletten am Gürtelgehänge. Gefunden wurden Muschel- und
Schneckengehäuse, teilweise aus dem Indischen Ozean stammend, die
wahrscheinlichl die Fruchtbarkeit der Frau positiv beeinflussen sollten. Wohl
aus dem selben Grund wurden Ringe aus Hirschgeweih oder anderen natürlich
nachwachsenden Materialien getragen. Um sich vor bösen Geistern zu schirmen,
trug man Bärenzähne oder kleine Ringpanzer-Fragmente, sowie Altfunde aus
vergangenen Zeiten. Oftmals wurden bestimmte Edelsteine eingefasst, denen man
heilsbringende Eigenschaften zusprach, wie bei dem Amulettgehänge auf dem
Foto. Dieses Kugelamulett ist eine Rekonstruktion des Fundes in Straubing Grab
465 aus dem späten sechsten Jahrhundert. Eine Bergkristallkugel wurde in
Bronzebänder gefasst und ist durch eine bronzene Öse mit den Zwingen der beiden
Riemen verbunden. Mehrere punzierte Silberbleche, die ebenfalls auf die Riemen
genietet sind, bilden einen hübschen Kontrast zum braunen Leder. Amulette dieser
Art hatten wohl eine heilsbringende Wirkung, bedenkt man, dass auch heutzutage
Edelsteine wegen bestimmter "Eigenschaften" getragen werden. Noch vor hundert
Jahren hielt man Bergkristall für versteinertes
Eis.
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Um die Schmuckstücke, wenn sie nicht im
"Einsatz" waren, zu schonen, brachte man sie wohl ähnlich wie heute in
Schatullen unter. Diese kleinen, hölzernen Kisten waren teilweise sogar mit
Metallbändern beschlagen (Kästchen in Waging am See) und wahrscheinlich oft
farbenfroh mit Mustern bemalt. Farbreste an Möbelstücken wurden z.B. im
Gräberfeld von Oberflacht gefunden. Das Kästchen rechts besteht aus Holz und
wurde mit Farben aus Ocker und Umbra mit gefälligen, merowingerzeitlichen
Motiven bemalt. Auf der Innenseite des Deckels befindet sich eine kleine,
polierte Messingplatte, die als Spiegel dient.
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Die Bügelfibeln:
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Die Bügelfibeln sind wohl die teuersten und
prächtigsten Stücke im Schmuckensemble der bajuwarischen Frau. Die Anschaffung
solcher Fibeln sind mit einem großen finanziellen Aufwand verbunden, was wohl
nicht zuletzt daran liegt, dass diese oft recht großen Fibeln massiv aus Silber
gegossen sind. Teilweise aufwändig mit Kerbschnittdekor verziert, feuervergoldet
und mit Nielloeinlagen versehen sind paarig getragenen Bügelfibeln ein
Aushängeschild des sozialen Ranges. Dennoch hatte ein nicht unbeachtlich großer
Teil der Bajuwarinnen ein Paar solch hochwertiger Fibeln, was ihre Wichtigkeit
in der damaligen Gesellschaft für die Vollständigkeit der Tracht unterstreicht.
Die starken Abnutzungsspuren von vielen Originalen weisen darauf hin, dass die
Bügelfibeln ein fester und intesiv getragener Bestandteil der Tracht, unter
anderem der Festtagstracht, waren. Wie unter der Rubrik "Kleidung" beschrieben,
wurde damit wahrscheinlich das Überkleid im Bereich zwischen dem Becken und den
Knieen zusammengehalten. |
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 Dies sind Bügelfibeln aus dem Grab 786
Straubing-Bajuwarenstraße. Also aus demselben Grab wie die oben gezeigte
S-Fibel. An den Bügelfibeln ist ein Geweberest festkorrodiert. Dabei handelt es
sich um Wolle in Leinwandbindung. Das erste Bild zeigt die Fibeln in Silber. Das
zweite Bild zeigt sich, nachdem sie feuervergoldet wurden. In den Vertiefungen
wurde das Gold nicht poliert und ist deshalb matt. Die meisten Bügelfibeln waren
massiv aus Silber gegossen und, wie unser Beispiel, teilweise feuervergoldet.
Starke Abnutzungsspuren der Originale lassen darauf schließen, dass die Fibeln
sehr oft und intensiv getragen wurden.
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Die
Wadenbindengarnitur:
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In manchen Frauengräbern werden im Bereich
unterhalb der Kniescheiben bronzene oder silberne Schnallenpaare mit
entsprechenden Beschlägen und Riemenzungen gefunden. Diese Ensembles werden als
Wadenbinden definiert. Dieses Geschirr diente dazu, kniehohe Stoffröhren
(Stulpen) an den Wadeln zu befestigen. Näheres dazu ist in der Rubrik "Kleidung"
zu finden. Die abgebildete bronzene Wadenbindengarnitur wurde in Aussehen und
Größe einem Fund aus Westheim (Grab 167) angelehnt. Die Riemenzunge ist
teilverzinnt und wie die anderen Teile punziert. Mittels eisernen Nieten wurden
die Beschläge auf dem Leder befestigt. Wie die Garnitur in angelegtem Zustand
aussieht ist in der Rubrik "Kleidung" zu sehen.
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Männerschmuck:

Im Gegensatz zu den Frauen
verfügen die bajuwarischen Männer über sehr viel weniger Schmuck. Es wurden
bisher, und wahrscheinlich auch in Zukunft, keinerlei Fibeln in Männergräbern
gefunden, was darauf schließen lässt, dass es keine Verwendung von Fibeln in der
Tracht der Männer gab. Ebenfalls sind keine Funde von Ketten oder
Amulettanhängern bekannt. Die Männer vertrauten anscheinend eher auf ihr
Waffengeschick, um sich vor bösen Einflüssen zu schützen. Einzig und berechtig
als Schmuck lässt sich der Leibgurt, der von jedem Mann getragen wurde,
bezeichnen. Ende des sechsten Jahrhunderts tragen die Männer die dreiteilige
Gürtelgarnitur, die teilweise durch funktionelle Nebenbeschläge, an denen der
Sax oder eine Gürteltasche befestigt war, ergänzt wurde. Die Gürtelgarnituren
waren aus Bronze gegossen, und oftmals mit Punzierungen verziert. Ebenfalls
treten gegen 600 n.Chr. eiserne Gürtel auf, deren Beschläge aufwendig mit Silber
und Messingeinlagen verziert sein konnte. Dieses Verfahren wird Tauschieren
genannt. Dabei werden Nut-artige Vertiefungen in die Beschlagplatten geritzt und
anschließend Silber- oder Messingdraht eingeschlagen. Nach dem Verschleifen
entstehen andersfarbige, kontrastreiche Muster in den eisernen Platten. Der
Leibgurt war ein wichtiger Bestandteil der Tracht, war er doch, so glaubte
"Mann", der Sitz der Kräfte.
Der Gürtel:
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Die Gürtelschnalle und der Riemendurchzug
links bestehen aus verzinnter Bronze und sind fein mit dreieckigen und runden
Punzstempeln verziert. Auf dem Riemen befestigt ist er mit großen Bronzenieten
mit untergelegten Kerbscheiben. Es handelt sich um die Rekonstruktion eines
Gürtels aus Straubing Grab 710. Neben dem Hauptbeschlag und dem Durchzug verfügt
dieser Gurt über vier weitere Nebenbschläge, sowie einen rechteckigen
Rückenbeschlag. Zusätzlich ist der Riemen schreiend rot gefärbt und bunt
bestickt.
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Eine einfache dreiteilige Gürtelgarnitur aus
Bronze. Die Niete sind aus Bronze mit verzinnten Köpfen. Diese Art Gürtel tritt
vermehrt im späten sechsten Jahrhundert auf und fand im siebten Jahrhundert
ebenfalls Verwendung. Die Garnitur auf dem Bild ist weder punzverziert noch
weist sie andere Verzierungen auf. Solche simplen Garnituren sind in vielen
Gräberfeldern der Merowingerzeit zu finden.
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Diese verschiedenen Gürtel sind allesamt dem
ausgehenden 6.Jhd zuzuschreiben. Der sichtbar getragene Leibgurt war wichtig, um
den sozialen Rang und Wohlstand des Mannes zu repräsentieren.
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Die Schnalle vom Schwertgurt des köschinger
Ringknaufschwertes besteht aus Eisen und ist mit runden Punzen auf der
Beschlagplatte verziert. Der Schnallenbügel mit abgeschrägtem Querschnitt ist
auf der Oberseite messing-und silbertauschiert. Die Niete sind aus Bronze und
mit Kerbrandscheiben unterlegt. Die Rekonstruktion des Schwertgurts und der
Schnalle basieren auf maßstäblichen Zeichnungen, die zusammen mit einer
Schwertzeichnung im Buch "das Schwert im frühen Mittelalter" zu finden
sind.
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Die
Schwertperle:
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Hin und wieder gefunden, und noch am ehesten
als "Amulett" oder "Talisman" zu bezeichnen, sind die Schwertperlen zu erwähnen.
Diese doppelkonisch ausgeformten Perlen aus Meerschaum, Ton, Bernstein, oder
Glas werden in der Nähe der Schwertgriffe, bzw. oft an den Scheiden gefunden.
Diese Schwertperlen werden als Glücksbringer interpretiert oder mit anderen
kultischen Bedeutungen in Verbindung gebracht. Die Schwertperlen konnten an
einem Band am Griff hängen, oder waren durch kleine Nieten mit der Scheide oder
dem Schwertgurt verbunden.
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