Der Stammbaum der bairischen Agilolfinger-Herzöge

"Der Herzog aber, der dem Volk vorsteht, er war immerdar aus dem Geschlecht der Agilolfinger und so soll es sein. Denn so haben es die Könige, unsere Vorfahren, jenen zugestanden, als sie denjenigen aus ihrem Geschlecht, der dem Könige treu und klug war, zum Herzog einsetzten, jenes Volk zu regieren. Und um deswillen, weil er Herzog ist, soll ihm auch größere Ehre zuteil werden als seinen übrigen Verwandten..."

( Zitat: Titel III aus der LEX BAIUVARIORUM )

In einer Zeit, in der schriftliche Aufzeichnungen recht selten vorgenommen wurden, ist das bajuwarische Herzoggeschlecht "Agilolfinger" eines der Ersten, das schriftlich erwähnt wird. Mit GARIBALD I , begegnet uns erstmals im Jahre 555 der Name eines bairischen Herzogs. Doch woher dieses einflussreiche Herrschergeschlecht stammt, ist bis heute in der Fachwelt sehr umstritten. Die Vermutungen reichen von markomannischer über fränkischer und ostgotischer bis hin zur langobardischer Abstammung. Zugegeben sind alle Abstammungs-Theorien bis zu einem gewissen Grad ohne Bedenken zu vertreten. Man wird warten und hoffen müssen, dass die Forschung weitere Indizien zu Tage fördert.
Die Agilolfinger wurden laut den Gregor von Tours, einem zeitgenössischen Schriftsteller, vom Frankenkönig "eingesetzt", was bedeutet, dass der Frankenkönig einen gewissen Einfluss auf die bajuwarischen Herrscher geltend machen kann. Im Laufe der Jahrhunderte gelang es den bairischen Herzögen immer mehr, ihre eigene, recht unabhängige Politik zu betreiben, was nicht zuletzt an den sehr guten Beziehungen zum Langobardenreich zu sehen ist, die widerum in oft problematischer Beziehung zum Frankenreich stehen. Diese komplizierten politischen Komplikationen gipfeln in einem Ereignis, bei dem die bajuwarischen Herzöge der Agilolfinger ein für alle mal von der politischen Bühne verschwinden - der Absetzung und Verbannung TASSILO`S III im Jahre 788 beim Prozess in Ingelheim. Dort wurde dem Baiern Untreue und Verrat vorgeworfen, sowie eine frankenfeindliche Bündnispolitik.